Wiederverwendung am Beispiel der Halle 118 auf dem Winterthurer Sulzer-Areal: die Fluchttreppe steuerte das Bürogebäude Orion in Zürich bei. Fotos: Martin Zeller

Wiederverwenden und graue Energie sparen

Wie kann die Verschwendung von Energie und Rohstoffen im Bau reduziert werden? Dieser Frage ist eine Studie des Bundesamts für Umwelt zum Thema «Wiederverwendung Bauen» nachgegangen.

In der Schweiz fallen jährlich mehr als 17 Millionen Tonnen Abfälle aus dem Um- und Rückbau von Bauwerken an. Rund zwei Drittel werden durch Recycling verwertet. Der Rest landet auf Deponien. «Würden die brauchbaren Bauteile in anderen Objekten wieder eingebaut, würde nicht nur die Abfallmenge reduziert, sondern auch zu einem erheblichen Anteil graue Energie eingespart», schreibt der Verein Salza heute in einer Pressemitteilung. Salza wurde zusammen mit seinem Westschweizer Pendant Matériuum von Bundesamt für Umwelt (BAFU) beauftragt, die Wiederverwendung im Schweizer Baubereich zu untersuchen. Die entsprechende Studie hat Salza heute veröffentlicht. «Um die Wiederverwendung besser in den Bauprozess zu integrieren, müssen Planer entsprechend ausgebildet und private wie öffentliche Bauherrschaften für das Thema sensibilisiert werden», fasst Salza die Kernaussage zusammen.

Architekten und Planerinnen gefordert
Spezifisch an Architektinnen und Planer richtet sich die Forderung, bei Neubauten die Wiederverwendung bereits in der Planung zu berücksichtigen und im Sinne von ‹Design before Disassembly› auch beim Entwerfen an die Wiederverwendung von Bauteilen zu denken. Salza will das Thema zudem in den entsprechenden SIA-Normen und Nachhaltigkeitslabels verankern.

Der Ressourcen- und Energieverbrauch beim Erstellen und Betreiben von Bauwerken sei in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen, schreibt Salza. «Die aktuelle Transformation des Schweizer Gebäudeparks wird vor allem durch wirtschaftliche Interessen gesteuert.» In zentralen Lagen würden oft relativ junge Gebäude aus den 1980er und 1990er Jahren abgerissen, auch wenn diese das Ende ihrer Lebensdauer noch nicht erreicht haben. Beim Rückbau fallen viele Bauteile an, die noch funktionstüchtig sind, aber meist entsorgt werden. Dabei geht die gesamte Energie für Produktion und Einbau – die sogenannte graue Energie - verloren. «Das wachsende Bewusstsein, dass wir mit unseren Rohstoffen haushälterischer umgehen müssen, führt zu einer kleinen Renaissance der Wiederverwendung im Baubereich», schreibt Salza. Das zeigten auch die Antworten der Umfrageteilnehmer. «Die Ergebnisse sind insofern erstaunlich, als viele der Akteure abseits der öffentlichen Wahrnehmung in einem existierenden Markt gewinnbringend arbeiten.» Allerdings seien diese Akteure bis jetzt nicht vernetzt und es gebe keine Organisation, die deren Interessen in der Öffentlichkeit vertritt.

Plattform reriwi.ch
Um mit allen relevanten Akteuren in einen Dialog zu treten, hat Salza die Online-Plattform reriwi.ch ins Leben gerufen. An der Umfrage haben rund 150 Akteure aus den Bereichen Ausbau, Vermittlung, Verwendung und Promotion von gebrauchten Bauteilen teilgenommen. Auf der Basis der Umfrageergebnisse führt die Studie eine Situationsanalyse durch und beschreibt die Handlungsfelder, damit die Wiederverwendung marktfähig wird. Sie beinhaltet zudem einen Quervergleich mit Frankreich und Belgien und führt Massnahmen auf, um die Wiederverwendung als gesellschaftliches Thema weiterzuentwickeln und besser in den Bauprozess zu integrieren.

Die Autoren der Studie kommen zum Schluss, dass die Wiederverwendung im Bauprozess durch verschiede Massnahmen konsolidiert und verstärkt werden müsse. Eine virtuelle Anlaufstelle und der Aufbau einer Dachorganisation seien notwendig, um die Branche zu vernetzen und zu strukturieren. Zudem sollen Leuchtturmprojekte kommunikativ unterstützt werden, um die Praktikabilität der Wiederverwendung zu demonstrieren. Auch Wettbewerbe mit Prämierung seien wünschenswert. Um die Wiederverwendung besser in den Bauprozess zu integrieren, müssen Planer entsprechend ausgebildet und private wie öffentliche Bauherrschaften für das Thema sensibilisiert werden. Die Wiederverwendung als Mittel des nachhaltigen Bauens müsse zudem in der Politik verankert und die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert werden.

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