Erst war das Gebäude unbeschriftet, später gab Ernst Kellers breite und fette Versalschrift dem modernistischen Gebäude von Karl Egender und Adolf Steger eine Adresse. Foto: BAZ

Lieber keine Beschriftung als eine falsche

1984 wurde das Kunstgewerbemuseum in ‘Museum für Gestaltung’ umbenannt, blieb bis 1993 ‘falsch’ angeschrieben und bis 2018 nur provisorisch. Ein öffentliches Haus ohne Adresse? Geht nicht.

Das modernistische Gebäude von Karl Egender und Adolf Steger wurde 1933 von Ernst Keller kongenial beschriftet: er entwarf eine zeitgenössische Schrift und positionierte sie asymetrisch auf dem Bauvolumen.

Doch spätestens Mitte der 1990er Jahre war das Gebäude in einem bedenklichen Zustand. Eine Sanierung wurde notwendig.

Mitte der 1990er Jahre war das Gebäude sanierungsbedürftig. (BAZ)
Eine erste Renovation erfolgte um 2003; während des Umbaus beendete der Grafiker Cornel Windlin den unbeschrifteten Zustand des Gebäudes und markierte das Museum ebenso provisorisch wie auf hintersinnige Weise als Ort, an dem es um Gestaltung geht.

Cornel Windlins Installation auf dem Dach: Museum fr Gstltng. Foto: Hans Ruedi Bosshard
Doch nach der Renovation war die Beschriftung wieder weg und das Museum blieb bis 2006 gänzlich ohne Beschriftung.

Providurium
Was nun? Sollte das Museum überhaupt beschriftet werden? Wenn ja wie? Welche Schrift sollte verwendet werden? Und was ist mit dem Wappen? Neue Entwürfe seitens Museum wurden von der Denkmalpflege abgelehnt. Dozierende schalteten sich in die Diskussion ein, ebenso die mit den Sanierungsarbeiten und Umbauten betrauten Architekten. Über Jahre hinweg wurde hin und her debattiert, unter anderem soll es dabei um längere Diskussionen zur Ausführung des Ü-Punktes gekommen sein…

Christian Brändle, der neue Museumsdirektor, entdeckte schliesslich eine Gesetzeslücke und liess das Gebäude im EG mit dem Font «Square» in gelb und outline – hinter dem Glas und deshalb temporär montiert – beschriften. Das war nicht bewilligungspflichtig, aber auch keine Lösung auf Dauer.

2018: Endlich wieder angemessen beschriftet! Foto: Agnès Laube
Happy End
Im Rahmen der jüngsten Renovation gelang es Christian Brändle, die Denkmalpflege für die Umsetzung eines lange abgelehnten Vorschlages zu gewinnen: In Kellers Schrift das Museum so anzuschreiben, wie es seit Mitte der 1980er Jahre heisst – Museum für Gestaltung – und zusätzlich den stirnseitigen Originalschriftzug MUSEUM zu restaurieren und am ursprünglichen Ort zu montieren. Für den neuen Schriftzug mussten die fehlenden Buchstaben rekonstruiert werden. Die Beschriftung, die seit 2018 wieder prominent an der Fassade prangt, ist hinterleuchtet. So findet man auch an winterlichen Abenden mühelos von der Haltestelle zum Eingang.

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